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Die Laktation stellt einen essenziellen natürlichen Vorgang der postnatalen Versorgung des Neugeborenen dar. Sie beschreibt neben der Produktion und Sekretion der Muttermilch zugleich ein komplexes Zusammenspiel hormoneller, physiologischer und mechanischer Abläufe. Der folgende Text erklärt die Physiologie der Laktation, ihre hormonelle Regulation, den Ablauf sowie mögliche klinische Aspekte und Komplikationen.
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Laktation – Definition
Die Laktation bezeichnet den physiologischen Prozess der Produktion und Sekretion von Muttermilch in den Milchdrüsen der Mammae (weiblichen Brustdrüsen). Sie wird hormonell gesteuert und tritt typischerweise nach der Geburt eines Kindes auf.
Laktation – Physiologie
Die Produktion der sogenannten Vormilch (Kolostrum) beginnt bereits ab der zweiten Hälfte der Schwangerschaft. Die Milchmenge steigt im postpartalen Verlauf an und beträgt 10 Tage nach der Geburt etwa 500 bis 700 mL pro 24 h.
Vormilch (Kolostrum)
Die Vormilch beschreibt die Vorstufe der reifen Muttermilch. Kolostrum wird ab der zweiten Schwangerschaftshälfte von den Milchdrüsen produziert und dient Neugeborenen in den ersten zwei bis drei Tagen nach der Geburt als Nahrungsquelle. Es hat einen hohen Proteingehalt, was die Dickflüssigkeit und die gelbliche Farbe begründet.
Voraussetzung für den Prozess der Laktation ist ein Zusammenspiel der Hormone Prolaktin und Oxytocin sowie ein mechanischer Reiz an der Brust.
Endokrine Steuermechanismen
Durch hohe Konzentrationen von Östrogen, Progesteron, Humanem Plazentalaktogen (HPL) und Prolaktin kommt es zum Wachstum und zur glandulären Differenzierung der Mammae. Hier eine tabellarische Übersicht der Hormone:
Hormon Beschreibung Östrogen
Progesteron
HPL Prolaktin
Ab der zweiten Hälfte der Schwangerschaft führt der steigende Prolaktinspiegel zur Produktion des Kolostrums (Vormilch), wobei die Laktogenese (Beginn der Milchbildung und -sekretion) noch durch hohe Östrogen- und Progesteronspiegel gehemmt wird.
Nach der Geburt kommt es zur Laktogenese, da postpartal (nach Entbindung) die Östrogen- und Progesteronkonzentration abfällt und die Hemmung der Laktogenese entfällt. Die Durchblutung der Mammae nimmt zu und durch den hohen Prolaktinspiegel erfolgt die Umwandlung des Drüsenepithels in milchbildende und sezernierende Zellen. Der sogenannte Milcheinschuss findet etwa am 3. Tag nach der Geburt statt, an dem auch die aktive Milchbildung anfängt. Im Verlauf nimmt der Fett- und Bindegewebsanteil in der Mamma ab.
Die Galaktopoese bezeichnet die Aufrechterhaltung der Milchproduktion nach dem Milcheinschuss. Sie sorgt dafür, dass die Milchbildung dauerhaft weiter produziert wird, solange das Baby gestillt wird. Der Saugreiz an den Mamillen (Brustwarze) führt zur Freisetzung von Prolaktin und Oxytocin. Prolaktin regt die Neubildung von Milch an und hält dadurch die Milchbildung aufrecht. Dies wird als Milchbildungsreflex bezeichnet. Außerdem supprimiert Prolaktin FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon) wodurch es zum Ausbleiben der Follikelreifung kommt und eine Laktationsamenorrhö (= Stillamenorrhö) eintritt.
Die Laktationsamenorhö ist ein physiologischer Zustand, also eine Art “natürlicher Pausenmodus” für den Zyklus während der Stillzeit. Durch die Hemmung des GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon) im Hypothalamus, kommt es zu einem Rückgang von LH und FSH. So kann keine Ovulation stattfinden und letztlich keine Menstruation. Bei voll stillenden Frauen setzt die Menstruation oft mehrere Monate, selten sogar bis zu einem Jahr aus.
Die Erhaltung des Milchflusses nennt man Galaktokinese. Das Oxytocin wird durch den Saugreiz freigesetzt und sorgt über die Kontraktion der Myoepithelien der Drüsengänge für die Milchejektion während des Stillens, was den sogenannten Milchspendereflex darstellt.
Nach etwa ein bis zwei Monaten nach dem letzten Stillen kommt es durch die fehlende Entleerung der Mammae zu deren Atrophie.
Prolaktinsekretion und Dopamin
Dopamin hemmt die Prolaktinsekretion. Dadurch können Dopaminagonisten wie der Wirkstoff Cabergolin zum Abstillen verwendet werden.
Muttermilch
Die Bildung der Vormilch (Kolostrum) beginnt bereits während der Schwangerschaft, wobei sich die Zusammensetzung der Milch ab dem dritten bis sechsten Tag nach der Geburt ändert und dann als Übergangsmilch bezeichnet wird. Ab dem 15. Tag nach der Entbindung (“15. Tag post partum”) entspricht die Zusammensetzung der reifen Frauenmilch. Im Verlauf der Laktation sinkt die Eiweißkonzentration, wobei die Fettkonzentration steigt.
Im Vergleich zur Kuhmilch enthält die Muttermilch einen höheren Gehalt an ungesättigten Fettsäuren, hier vor allem Linolsäure, und Kohlenhydrate, vor allem Lactose. Sie weist hingegen einen geringeren Gehalt an Eiweiß-, Salz- und Mineralstoffen auf. Speziell das Kolostrum weist IgA-Antikörper auf sowie Komplementfaktoren und andere zelluläre Bestandteile der unspezifischen Immunabwehr. Diese schützen das Neugeborene vor Infektionen.
Kuhmilch
Die Ernährung mit Kuhmilch ist im ersten Lebensjahr wegen des hohen Protein- und Mineralstoffgehaltes nicht geeignet. Auch der geringere Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Eisen und Iod machen die Kuhmilch ungeeignet für die Ernährung des Neugeborenen im ersten Lebensjahr.
Stillen
Das Stillen beschreibt die Ernährung des neugeborenen Kindes durch Muttermilch von der Brust. Es ist die ideale Art der Ernährung für das Kind, denn die Muttermilch ist für den Ernährungsbedarf des Kindes optimal ausgestattet: Bioaktive Substanzen wie Immunglobuline, Hormone, Wachstumsfaktoren und Prolaktin, die antiinfektiös wirken sowie weitere Nährstoffe stellen die optimale Zusammensetzung für den Säugling dar.
Laktation – Klinik und Komplikationen
Die Laktation stellt einen gesunden physiologischen Prozess dar, trotzdem kann es in der Zeit bestimmte klinische Beschwerden oder Komplikationen geben. Dazu gehören Probleme beim Stillen wie Milchstau sowie Beschwerden an der Brust.
Milchstau
Der Milchstau ist die unzureichende Brustentleerung während der Stillzeit durch Blockade der Milchgänge. Die Symptome umfassen lokale Schmerzen, Knoten und/oder Verhärtungen und keine bis maximal leichte Überwärmung, die meist einseitig auftritt. Es liegt ein guter Allgemeinzustand vor, bei dem kein Fieber eintritt. Letzteres ist wichtig zur Abgrenzung von anderen Beschwerden. Therapeutisch kann häufiges Stillen oder Abpumpen helfen. Auch eine Massage oder das Wechseln der Stillposition sind eine Möglichkeit gegen den Milchstau vorzugehen.
Mastitis puerperalis (Brustentzündung)
Die Mastitis puerperalis stellt die Entzündung der Brustdrüse während der Stillzeit dar, die meist infolge von Milchstau oder Infektionen auftritt.
Es kommt zur Behinderung des Milchflusses, beispielsweise durch Milchstau, eine ungünstige Stillfrequenz oder -technik, eine verstärkte Brustdrüsenschwellung oder eine durch Stress oder Schmerzen vermittelte Verringerung des Milchspendereflexes.
Ein weiterer Grund können Infektionen wie sie bakteriell, durch Staphylococcus aureus auftreten können, sein. Zu einer solchen Infektion kann es durch Hautdefekte der Mamille oder mangelnde Hygiene kommen.
Symptome sind starke Schmerzen lokal, Rötungen, Überwärmungen, Schwellungen und meist einseitige Verhärtungen. Systemisch tritt ein reduziertes Allgemeinbefinden auf, Schüttelfrost und Fieber, selten kommt es zu einem Fortschreiten der Sepsis.
Die Therapie beinhaltet eine regelmäßige Brustentleerung, die durch Stillen oder auch manuell durch sanftes Ausstreichen oder durch mechanisches Abpumpen durchgeführt wird. Physikalisch können Wärme vor Entleerung der Brust zur Anregung der Milchflusses und Kälte zum Lindern von Schwellung und Schmerzen nach Entleerung der Brust helfen. Zusätzlich kann das Ausstreichen blockierter Areale bei Milchstau helfen. Medikamentös können Analgetika wie Paracetamol oder Ibuprofen nach Bedarf helfen. Eine anitibiotische Therapie ist bei bakterieller Mastitis die nötige Therapie und besteht aus Ampicillin und Sulbactam intravenös.
Komplikationen der Brustentzündung sind Mammaabszesse, die aus fortgeschrittenen entzündlichen Brusterkrankungen entstehen können. Das wichtigste Therapieprinzip ist die Entleerung des Abszesses durch Punktion oder eine Drainage sowie eine ergänzende antibiotsiche Therapie.
Häufige Fragen
- Wann beginnt die Milchproduktion?
- Wie lange kann eine Frau stillen?
- Was ist der “Milcheinschuss”?
- Kann man zu wenig Milch haben?
- Ist es normal, keine Periode während der Stillzeit zu haben?
- Kann man trotz Stillen schwanger werden?
Die Milchbildung startet schon während der Schwangerschaft, aber der eigentliche Milcheinschuss erfolgt meist zwei bis drei Tage nach der Geburt.
Solange ein regelmäßiges Stillen oder Abpumpen erfolgt, kann der weibliche Körper Monate bis Jahre Milch produzieren. Die WHO empfiehlt ein Stillen über mindestens 6 Monate.
Der Milcheinschuss beschreibt den Moment, wenn die Milchproduktion stark zunimmt, meist zwischen dem zweiten und fünften Tag nach der Geburt, durch den starken Anstieg von Prolaktin.
Ja, das kommt vor und wird als Hypogalaktie bezeichnet. Beispielsweise ist dies bei seltenem Stillen, Stress oder hormonellen Störungen der Fall. Stillen nach Bedarf und häufiges Anlegen helfen meist schon.
Ja, das nennt sich Laktationsamenorrhö und beschreibt einen natürlichen, hormonell bedingten Zustand, bei dem die Regelblutung ausbleibt, solange häufig gestillt wird.
Ja, die Laktationsamenorrhö schützt nicht zuverlässig. Dies ist der Fall, wenn nicht voll gestillt wird, das Baby älter als 6 Monate ist oder die Periode wieder eingesetzt hat.
- Uhl: Gynäkologie und Geburtshilfe compact. Georg Thieme Verlag 2018
- Heller: Nach der Geburt Wochenbett und Rückbildung. Thieme 2015
- Wochenbett, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum 22.03.2025)