Inhaltsverzeichnis
Motorik ist ein grundlegender Bestandteil der menschlichen Bewegung. Sie umfasst alle Bewegungen, die der Mensch ausführt, sei es im Alltag, beim Sport oder bei feineren Tätigkeiten. Diese Bewegungsfähigkeiten sind entscheidend für die körperliche Entwicklung und das tägliche Leben.
Inhaltsverzeichnis
Motorik – Definition
Motorik bezeichnet die Fähigkeit, Bewegungen durch die Koordination von Muskeln und Nerven auszuführen. Sie umfasst sowohl einfache als auch komplexe Bewegungen des Körpers und wird in grobe Motorik (z. B. Laufen, Springen) und feine Motorik (z. B. Schreiben, Greifen) unterteilt.
Ablauf einer Bewegung
Die Steuerung einer Bewegung vom Gehirn bis zum Muskel erfolgt in mehreren Schritten. Dabei beginnt die Initiation und Planung der Bewegung im Gehirn und fertig verarbeitete Signale werden über das Rückenmark in die Peripherie geleitet.
Planung und Initiierung
Der primär motorische Kortex, prämotorische Kortex sowie der Assoziationskortex erstellen zusammen mit dem limbischen System einen Bewegungsplan. Das Kleinhirn und die Basalganglien verrechnen diesen Plan in ein Bewegungsprogramm, der wiederum dem primär motorischen Kortex zur Verfügung gestellt wird.
Weiterleitung über das ZNS
Um die Bewegung auszuführen werden die Informationen über das pyramidale System (Tractus corticospinalis) oder das extrapyramidale System im Hirnstamm und Rückenmark geleitet. Die Impulse erreichen das Rückenmark und werden dort auf Segmentebene im Vorderhorn auf Motoneurone umgeschaltet.
Peripherie
Die α-Motoneurone im Rückenmark senden Signale über periphere Nerven an die Muskulatur. Eine Signalübertragung auf die Muskelzelle erfolgt über die motorische Endplatte, wo Acetylcholin freigesetzt wird, welches an Rezeptoren der Muskelzellen bindet und so ein Aktionspotenzial auslöst. Dies führt zur Freisetzung von Kalzium aus dem sarkoplasmatischen Retikulum, was die Interaktion von Aktin und Myosin aktiviert (Querbrückenzyklus), wodurch die Muskelzelle kontrahiert und die gewünschte Bewegung ausführt.
Motorik – Entwicklung
Nach der Geburt kann das Neugeborene schon unkoordinierte Bewegungen vollziehen und unkontrolliert greifen. Nach drei Monaten laufen die Greifbewegungen gezielter ab und der Säugling hat Kontrolle über seine Kopfhaltung. Sechs Monate nach der Geburt dreht er sich in der Regel selbstständig vom Bauch auf den Rücken. Auch kann er üblicherweise Gegenstände von der einen in die andere Hand wechseln. Den Pinzettengriff beherrscht das Kind nach etwa neun Monaten. In diesem Zeitraum lernt es auch Krabbeln und kann unter Umständen schon ohne Unterstützung sitzen.
Etwa ab dem ersten Lebensjahr kann das Kind stehen und mit Unterstützung das Gehen erlernen. Mit 1,5 Jahren sind dann auch sicheres Gehen und Klettern möglich, während die Kinder nach zwei Jahren oft schon rennen und mit Hilfe Treppen steigen können.
In den weiteren Jahren der motorischen Entwicklung verbessern sich die Fähigkeiten immer weiter und das Kind erlernt verschiedene komplexere Bewegungsabläufe wie Hüpfen oder Stehen auf einem Bein.
Meilensteine
Die kindliche motorische Entwicklung ist sehr individuell. Das Alter, in dem ein solcher Meilenstein erreicht wird kann also in gewisser Weise auch von den typischen Angaben abweichen.
Motorik – Störungen
Störungen der Motorik können durch eine Vielzahl von neurologischen, muskulären oder systemischen Erkrankungen verursacht werden. Sie äußern sich in Symptomen wie Bewegungsverlangsamung (Bradykinese), übermäßigen Bewegungen (Hyperkinesien) oder Koordinationsstörungen (Ataxie). Häufige Ursachen sind Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Morbus Parkinson, Chorea Huntington oder Kleinhirnsyndrome. Auch periphere Nervenschäden, z. B. bei Polyneuropathien, oder muskuläre Erkrankungen wie Myopathien können motorische Beeinträchtigungen hervorrufen.
Die Untersuchung der Motorik ist ein zentraler Bestandteil der neurologischen Diagnostik und dient der Beurteilung von Muskelkraft, Tonus, Koordination und Bewegungsabläufen. Sie umfasst unter anderem die Inspektion der Muskulatur auf Atrophien oder Faszikulationen, die Prüfung der Muskelkraft, die Beurteilung des Muskeltonus sowie die Untersuchung auf unwillkürliche Bewegungen wie Tremor oder Chorea. Zudem werden Reflexe getestet, um Hinweise auf zentrale oder periphere Nervenschäden zu erhalten. Die Koordination wird durch Tests wie den Finger-Nase-Versuch oder den Knie-Hacke-Versuch überprüft.
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen Grobmotorik und Feinmotorik?
- Wie entwickelt sich die Motorik bei Kindern?
- Welche Faktoren beeinflussen die motorische Entwicklung?
- Welche Ursachen gibt es für motorische Probleme?
- Wie verändert sich die Motorik im Alter?
Grobmotorik umfasst große, kräftige Bewegungen wie Laufen, Springen oder Werfen, gesteuert durch große Muskelgruppen. Feinmotorik betrifft präzise, kleine Bewegungen wie Schreiben oder das Greifen kleiner Objekte, gesteuert durch Finger- und Handmuskeln.
Die Motorik von Kindern entwickelt sich in Phasen: Im Säuglingsalter beginnen Reflexe und erste Greifbewegungen. Ab 6 Monaten folgen Krabbeln und gezieltes Greifen, später das Laufen und feinmotorische Fähigkeiten wie der Pinzettengriff. Im Kleinkindalter verbessern sich Gleichgewicht und Koordination, während Vorschulkinder komplexere Bewegungen wie Fahrradfahren und Malen erlernen. Dennoch läuft die Entwicklung im gewissen Maße von Kind zu Kind unterschiedlich ab.
Die motorische Entwicklung wird durch Genetik, Umwelteinflüsse, Ernährung, neurologische Reifung sowie soziale und emotionale Faktoren beeinflusst. Bewegungserfahrungen, Gesundheit und Motivation spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Motorische Probleme können durch neurologische Störungen (z. B. Cerebralparese), genetische Faktoren, Muskelerkrankungen, Frühgeburt, Verletzungen oder mangelnde Bewegungserfahrungen entstehen. Auch psychische Faktoren können die Motorik beeinträchtigen.
Im Alter nimmt die Motorik oft ab: Die Muskelkraft und Koordination verringern sich, was zu einer verlangsamten Bewegungsgeschwindigkeit und einem verringerte Gleichgewicht führt. Auch die Reaktionsfähigkeit und Feinmotorik können nachlassen, während größere Bewegungen wie Gehen oder Stehen oft schwieriger werden.
- Silbernagel et. al.: Physiologie, Thieme, 8. Auflage, 2018
- Entwicklung des Kindes, https://next.amboss.com/... (Abrufdatum: 02.04.2025)